Zu wenig Inklusion behinderter Jugendlicher in der Ausbildung

Das  Engagement bei der Integration von MitarbeiterInnen mit einer Behinderung ist keineswegs verbreitet. In einer 20-seitigen Broschüre zeigt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die mangelhafte Integration behinderter Jugendlicher in den Arbeitsmarkt auf. Die Gruppe der jugendlichen Behinderten belief sich laut amtlicher Statistik im Jahr 2009 auf gut 200.000 Betroffene zwischen 15 und 25 Jahren. Von diesen sind fast 13% erwerbslos.

Schon die Schulausbildung könnte für behinderte Kinder deutlich besser verlaufen. Die Statistik zeigt, dass die Zahl der geistigen und psychischen Behinderungen im Laufe der letzten Jahre abgenommen hat. Die Mehrheit der Behinderungen lässt sich auf Lernbehinderungen zurückführen, fast 483.000 Jugendliche müssen sonderpädagogisch gefördert werden. Im Jahr 2009 verließen gut 40% der behinderten SchülerInnen die Schule ohne Schulabschluss, ein weiteres Drittel erreichte einen Hauptschulabschluss. Ein Abitur hingegen konnten weniger als 10% der behinderten SchülerInnen vorweisen. Dem DGB zufolge ist ein Schulabschluss gleichwohl nicht ausreichend, um eine adäquate Berufsausbildung zu garantieren: In der Gruppe der 30 bis 64-jährigen mit Behinderung verfügen 67% mit Abitur oder Fachhochschulreife über einen angemessenen Job, bei den Nicht-Behinderten sind es 74%. Auch mit einem Haupt- oder Realschulabschlus finden behinderte Menschen seltener einen passenden Job als ihre nicht-behinderten Mitbewerber. Immerhin haben behinderte Jugendliche, anders als ihre nicht-behinderten Altersgenossen, ein Recht auf eine Erstausbildung und werden auch aus der Arbeitslosenversicherung finanziell gefördert. Das große Problem ist demnach weder die rechtliche Situation noch die Bildung der BewerberInnen mit Behinderung, sondern die Haltung der Unternehmen. Die große Mehrheit der Azubis mit Behinderung muss außerbetrieblich ausgebildet werden. Unter den derzeit 1,5 Millionen Auszubildenden in den Betrieben gibt es nur 6.100 Schwerbehinderte (0,4%), während der entsprechende Anteil in der Altersgruppe bei 1,7% liegt. Außerbetrieblich werden hingegen 40.000 schwerbehinderte Jugendliche ausgebildet; Diesen mangelt es dann an betrieblicher Praxis. Mehr echte Inklusion ist hier die offensichtliche Notwendigkeit. Noch besser wäre es, wenn Unternehmen auch ohne drohende Ausgleichsabgabe die Potenziale von Beschäftigten mit einer Behinderung sähen. Denn jede Einschränkung führt zu einer kompensierenden Stärke, die genutzt werden kann. Wie meist bei Diversity zu allererst eine Frage der Aufgeschlossenheit