Wieder eine Seminarreihe für Frauen – aber sind sie es, die Weiterbildung brauchen?

Gleichermaßen hartnäckig und aufwändig finden Land auf, Land ab Veranstaltungen statt, die „die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt verbessern“ sollen. Eine aktuelle Seminarreihe trägt den Titel „Frau und Beruf“ und vermittelt nicht nur das Rüstzeug für den erfolgreichen Wiedereinstieg und ganz praktische Qualifikationen, die im beruflichen Alltag notwendig sind, sondern auch das Gefühl, als gehörten „Frauen“ und „Beschäftigung“ nicht wirklich zusammen. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Angebot der Beratungsstelle für Arbeitslose, der Agentur für Arbeit und der Gleichstellungsstelle (in diesem Fall des Landkreises Kulmbach). Geradezu aufrüttelnd liest sich das Motto des aktuellen Programms: „Frauen auf Erfolgskurs“. Diesem zum Trotz finden alle Veranstaltungen in der Beratungsstelle für Arbeitslose statt und folgen überwiegend problemorientierten Fragestellungen: Der Wiedereinstieg in den Beruf, eine Routenplanung für Leben und Beruf, Trennung/Scheidung, „Kraft der Farben“, Arbeitsrecht für Frauen, „Lass los, was deinem Glück im Wege steht!“ und Mentalblockaden stehen zur Auswahl. Immerhin thematisiert ein Seminar die Chancen der weiblichen Körpersprache und ein Workshop soll helfen, überzeugend aufzutreten.
So gut gemeint Weiterbildungsinitiativen für Frauen sind, so problematisch erscheint die implizite Botschaft, weibliche Beschäftigte benötigten besondere Unterstützung, um im Beruf erfolgreich sein zu können. Dies gilt umso mehr, wenn die Seminare auf männlichen Konzepten aufbauen („Jetzt hör mal gut zu“) oder sich an männlichen Maßstäben orientieren („Eine Frau – ein Wort“). Experten gehen davon aus, dass die Aktivierung internalisierter Stereotypen ebenso negativ wirkt, wie die Bestätigung von Vorurteilen auf Seiten der Männer, die diese Seminarangebote wahrnehmen. Wie stark sich Vorannahmen auswirken, zeigt eine aktuelle Studie der Universität Hannover, die die Weiterbildung von Frauen, insbesondere werdender oder junger Mütter im Vergleich mit Männern und mit älteren Frauen untersucht hat. Das alarmierende Ergebnis zeigt eine rückläufige Lernaktivität, die nicht nur auf geringere Weiterbildungsaktivitäten der Mütter zurückzuführen ist, sondern auch auf Arbeitgeber, die kinderlose Frauen im gebärfähigen Alter weniger intensiv in Lernkonzepte und –programme einbinden. Diese und ähnliche Erkenntnisse, zum Beispiele in Verbindung mit dem geplanten Betreuungsgeld, zeigen nach Expertenmeinung, dass vor allem die beteiligten Männer dringenden Weiterbildungsbedarf aufweisen, um vorhandene Schieflagen ebenso zu erkennen, wie ungenutzte Potenziale.