„Weibliche Karrieren in einer globalisierten Welt“ Gender Diversity in Unternehmen, „FrauenMachtKarriere“ IHK Frankfurt

Der Mangel von Frauen in Chefetagen ist nicht neu. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland im unteren Drittel. Was müssen Frauen also wissen, wenn sie eine Karriere in einem international agierenden Unternehmen anstreben? Dieser Thematik widmete sich die Veranstaltung „FrauenMachtKarriere“ am 03. Dezember 2010 in Frankfurt. Initiiert wurde die Veranstaltung von der IHK in Kooperation mit dem Frauenreferat der Stadt Frankfurt am Main, dem gFFZ – Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen, der Technischen Universität Darmstadt, der Commerzbank AG, der STRABAG Property and Facility Services GmbH, der Evangelischen Akademie Arnoldshain und den Wirtschaftsjunioren.Über 200 TeilnehmerInnen verfolgten die Veranstaltung, die eine Reihe von Vorträgen und Workshops beinhaltete. Nach einem Grußwort von Karen Hoyndorf, stellv. Präsidentin der IHK, und Jutta Ebeling, Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main, referierte Mechthilde Maier, Leiterin Group Diversity Management der Deutsche Telekom AG, über die im März eingeführte und seitdem öffentlich viel diskutierte Frauenquote bei der Telekom. Da gutgemeinte Rhetorik und freiwillige Maßnahmen in der Vergangenheit nicht den gewünschten Erfolg brachten, greift die Telekom zum Instrument der Quote als Beitrag zur Konzernstrategie. 30% der Führungsebene sollen in Zukunft weiblich sein. Eine Reihe von Maßnahmen wurde für die Umsetzung beschlossen, die alle ein Grundproblem überwinden müssen: Die männliche Monokultur in Unternehmen, „denn solange männlich dominierte Anforderungen an Fähigkeiten, Kompetenzen und Karriereprofile den Maßstab bilden, werden weibliche Bewerberinnen mit einem anderen Auftreten und einer häufig weniger gradlinigen Berufsbiografie tendenziell schlechter abschneiden“, resümiert Maier.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Karen Hoyndorf, Machthilde Maier, Rolf van Dick (Professor für Sozialpsychologie an der Universität Frankfurt) Michael Stuber (Inhaber Ungleich Besser Diversity Consulting) Nadja Tschirner (Geschäftsführerin von cross Consult München) und Sieglinde Schneider (Gründerin von Accente Communication und EU-Botschafterin für Existenzgründerinnen).
Schneidendes Thema war der wandelnde Arbeitsmarkt und damit verbundene Anforderungen für Frauen.

Michael Stuber, Inhaber von Ungleich Besser Diversity Consulting, betonte den notwendigen Einsatz von Frauen. Dazu stellte der Sozialpsychologie Rolf van Dick fest, dass Führung immer noch männlich gedacht wird und Frauen oft vor einem Problem stehen: „Eine Frau steht heute vor der Schwierigkeit, dass sie männlich wirken muss, um als gute Führungsperson wahrgenommen zu werden. Wenn sie das aber tut, wird es ihr wieder vorgehalten.“ Michael Stuber warnte vor zu einseitigen Sichtweisen und falschen Anpassungsstrategien: „Wenn sie den flexiblen Rückgriff auf weiblich und männlich geprägte Stile als strategisches Instrument entwickeln, können sie daraus echte Vorteile ziehen. Aber die Balance ist wichtig. Weder dürfen Frauen sich ganz an dem männlichen Role-Model orientieren noch ausschließlich auf Weiblichkeit setzen.“ Grundsätzlich entspräche die sich wandelnde Wirtschaft weiblichen Stereotypen, da Netzwerke und Emotionalität zunehmend wichtiger würden. Es käme auf die Vermarktung der Fähigkeiten an.

Neue virtuelle Technologien stellen ein wichtiges Mittel dar, um Frauen den Einstieg in Führungspositionen zu erleichtern, was auch betriebswirtschaftlich durchaus Sinn ergeben könne, stellte Karen Hoyndorf fest – vorausgesetzt die Philosophie stimmt. Wer an alten Mustern festhält, kann keine Veränderung erwarten.

Weiterhin wurde die Verhaltenheit vieler Unternehmen gegenüber Vielfalt thematisiert. Zwar herrscht Bewusstsein über die Vorteile, etwa im Sinne der kreativeren und innovativeren Ergebnisse, aber auch Unmut über Probleme, die Vielfältigkeit mit sich bringe, so van Dick. Michael Stuber entgegnete daraufhin, dass dieses Problem kein Argument gegen Diversity sei, schließlich beziehe sich das Konzept auf die richtige Gestaltung von Diversity und den Umgang damit: „Diversity heißt, Vielfalt richtig zu gestalten, und dazu gehören eine mentale Haltung der Aufgeschlossenheit und Verhaltenskompetenzen“, erläuterte Stuber.

Im Workshop „Gender Diversity in Unternehmen – der internationale Mehrwert weiblicher Potenziale“ vertiefte Stuber die Thematik. Diversity biete einen effektiven Rahmen, um Unterschiede als Ressourcen effektiv zu nutzen. Als „Potenzial-Prinzip“ ermöglicht es die systematische Nutzung unterschiedlicher Erfahrungen, Hintergründe und Ansätze. Die Unterschiede und Bausteine für Gender-Diversity sehen in den Unternehmen ganz verschieden aus. Die Ansätze reichen von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf über Rekrutierungsmaßnahmen bis hin zu Förderprogrammen (Trainees, Self-Mentoring). Im europäischen Vergleich finden sich vermehrt Ansätze, die nicht nur Frauen sondern auch Männer einfassen. So ist die Elternzeit für Männer in Dänemark oder Schweden viel verbreiteter und angesehener als in Deutschland. Dennoch bildet Diversity einen wichtigen Punkt für Unternehmen. In Deutschland geben 75% an, dass Gender eine wichtige Rolle spielt. Trotzdem glauben 54% der Männer und 53 % der Frauen, dass sexistische Stereotype am häufigsten am Arbeitsplatz zu finden sind. Dies ergab das Eurobarometer 2010.
Um den Frauenanteil im Erwerbsleben zu erhöhen, finden die meisten es notwendig, die Gehälter anzupassen und bessere Betreuungsplätze für Kinder anzubieten (40% der Männer, 42% der Frauen). Auch zeigt sich, dass die Mehrheit davon überzeugt ist, dass familiäre Umstände Frauen daran hindern, für verantwortungsvollere Positionen zu kämpfen (79% der Frauen, 72% der Männer).

Somit wurde im Workshop deutlich, dass Mentoring-Programme, Frauennetzwerke und eine Quote nur begrenzt wirken, da die Situation zu komplex ist und ihr mit diesen Instrumenten nicht gänzlich begegnet werden kann. Stattdessen müsse mehr daran gesetzt werden, starre Rollenbilder aufzubrechen.

Eine Reihe weiterer Workshops thematisierte u. a. Aspekte von Interkulturalität, Leadership, Elder care und Gehaltsverhandlungen in einer globalisierten Welt.