Sonderbericht zur Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt in NRW

Der kürzlich erschienene Sonderbericht der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) verschafft einen aktuellen Überblick über die Situation von Frauen auf dem nordrheinwestfälischen Arbeitsmarkt. Er gibt unter anderem Aufschluss über die Zunahme der Erwerbstätigkeit von Frauen, die besondere Situation von Alleinerziehenden und zeigt deutlich das große ungenutzte Potenzial von Frauen für die Wirtschaft.

Es lassen sich drei zentrale Ergebnisse des Berichts hervorheben: Erstens lässt sich feststellen, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen zwar weiterhin gestiegen ist, jedoch nach wie vor deutlich hinter der von Männern liegt. Zweitens wird gezeigt, dass das ungenutzte Erwerbspotenzial von Frauen besonders groß ist und drittens stellen die Autoren heraus, dass Alleinerziehende außergewöhnlich häufig unterbeschäftigt sind.

Die weibliche Erwerbsquote ist in den letzten Jahren in NRW deutlich gestiegen; im Vergleich zu 2003 stieg die Zahl der erwerbstätigen Frauen um 15%. Im Vergleich dazu stieg die Anzahl erwerbstätiger Männer im gleichen Zeitraum nur um 4,4%. Insgesamt gesehen besteht allerdings eine Lücke zwischen Männern und Frauen fort: Mit 64% liegt die Erwerbstätigenquote bei Frauen noch etwa 10% unterhalb derer von Männern. Im bundesweiten Vergleich liegt die weibliche Erwerbstätigenquote mit 64% (NRW) zu 68% (Bund) unter dem Durchschnitt.

Die Autoren des Berichts stellen weiterhin fest, dass über die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit beschäftigt ist. Anders als Männer, die vorrangig aus Gründen der Aus- oder Weiterbildung und mangelnder Vollzeitperspektiven in Teilzeit arbeiten, sind die Gründe bei Frauen vor allem in der Betreuung von Kindern und Angehörigen sowie in sonstigen persönlichen und familiären Gründen zu suchen. Während über 71% der Frauen mit nur einem Kind erwerbstätig sind, sind es bei jenen Müttern mit drei und mehr Kindern nur noch 44%. Ein großer Teil (49%) der Frauen mit Kindern unter 18 Jahren sind geringfügig beschäftigt.

Der Bericht zeigt eindeutig, dass bei Frauen ein deutlich größeres ungenutztes Arbeitskräftepotenzial vorhanden ist als bei Männern. Dieses setzt sich zusammen aus unterbeschäftigten Personen, einer „Stillen Reserve“ und Erwerbslosen. Als unterbeschäftigt gelten all jene, deren regelmäßige Arbeitszeit unter 40h/Woche liegt, die aber den Wunsch nach zusätzlichen Arbeitsstunden haben und dafür auch kurzfristig verfügbar wären. Angehörige der Stillen Reserve wünschen ebenfalls eine höhere Zahl an Arbeitsstunden, sind jedoch entweder nicht binnen 14 Tagen dafür verfügbar oder befinden sich aktuell nicht auf aktiver Arbeitssuche.

Dieses Ergebnis ist unter verschiedenen Gesichtspunkten besonders interessant. Im Zuge des drohenden und teils schon präsenten Fachkräftemangels stellen Frauen eine wertvolle Ressource dar, deren Potenzial zurzeit offensichtlich längst nicht ausgeschöpft wird. In Zeiten, in denen 56% der 20 bis 30 jährigen Frauen im Besitz des Abiturs/Fachabiturs sind (bei Männern sind dies übrigens nur 46,5%!), ist es ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft, diesen Pool von high potentials möglichst besser auszuschöpfen. Darüber hinaus haben Studien bereits vielfach gezeigt, dass Gender Diversity nicht in erster Linie eine Frage der Gerechtigkeit ist, sondern beachtliche wirtschaftliche Vorteile für die Wirtschaft mit sich bringt: Höhere Produktivität, größere Profitabilität und bessere finanzielle Performance sind nur einige der empirisch nachgewiesenen Effekte.

„Wie die Gesellschaft assoziieren auch Unternehmen Frauen bzw. Mütter stärker mit Familie als Männer bzw. Väter. Durch diesen Bias wirkt sich Elternschaft für Frauen negativ aus, während sie für Männer karrierefördernd wirkt“, erläutert Diversity-Experte Michael Stuber die Situation und ergänzt „weil Frauen weniger gefördert oder ermutigt werden, fällt es ihnen leichter, sich für eine längere Familienpause zu entscheiden“. Da auch Rückkehrprogramme meist wenig effektiv seien, entstünden teure Lecke in der Pipeline. „Mit einem Fokus auf der Bindung weiblicher Potenziale können Firmen mehrere Ziele gleichzeitig erreichen: Kosten senken, Fachkräftemangel überwinden und politische Erwartungen erfüllen“, so Stubers Zusammenfassung.

Der Bericht stammt von der G.I.B., einer landeseigenen Gesellschaft, welche die Landesregierung Nordrhein-Westfalens bei der Verwirklichung der Ziele der Beschäftigungsförderung und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unterstützt.

Der Bericht steht online zum Download zur Verfügung.