Quote und Betreuungsgeld – externe Blickwinkel auf die deutsche Politik

Zu einer verpflichtenden Frauenquote für Aufsichtsräte oder Vorstände konnte sich Bundesfamilienministerin Christina Schröder bisher nicht durchringen. Stattdessen ist nun eine andere einschneidende Maßnahme in Kraft getreten: das Betreuungsgeld. Diese Entwicklungen stoßen in deutschen wie in ausländischen Medien auf ablehnende und verständnislose Reaktionen.
In der Süddeutschen Zeitung bekannte sich nun auch die langjährige Gegnerin der Frauenquote, Amelie Fried, dazu, mittlerweile die Seite gewechselt zu haben. Jahrelang habe sie die Benachteiligung von Frauen nicht am eigenen Leib erfahren und daher auch kein Gespür dafür gehabt. Erst die Gründung der Initiative „Pro Quote“, an der sich 300 Journalistinnen beteiligen, habe ihr die Augen geöffnet über die ungerechten Geschlechterverhältnisse (auch) im Medienbereich. Den von Männern gern gemachten Vorwurf der umgekehrten Diskriminierung lässt sie nicht gelten – bei einer angestrebten Verteilung von 30 Prozent Frauen und 70 Prozent Männer solle kein Mann auf die Idee kommen, sich benachteiligt zu fühlen. Fried spricht deutlich aus, dass sie die Politik in der Verantwortung sieht, strenge und verbindliche Regelungen zu schaffen und kritisiert die „windelweiche Selbstverpflichtung“.
Auch außerhalb von Deutschland sind kritische Stimmen zur deutschen Politik hören. Die US-amerikanische Politikerin Sudha David-Wilp sieht zwei Konsequenzen des neuen Betreuungsgeld-Gesetzes: Der deutsche Arbeitsmarkt wird viel weibliches Potential verlieren, gleichzeitig werden die Geburtenraten niedrig bleiben. Das Betreuungsgeld habe schlicht und einfach die Folge, dass der ohnehin schon dünne Halt von Müttern auf dem Arbeitsmarkt brechen werde. Grund dafür seien die Tatsachen, dass in Deutschland ein Lohngefälle von 20 Prozent zwischen weiblichen und männlichen Arbeitnehmern besteht, und die Vereinbarkeit von Familie und Job für berufstätige Mütter immer noch eine große Herausforderung darstelle. Aus Sudha David-Wilps Kritik lässt sich ihr Unverständnis herauslesen, dass es gerade die Karrierefrau und das ostdeutsche Role Model Angela Merkel sowie ihre sehr junge Ministerin Christina Schröder sind, die die Rückständigkeit Deutschlands mit diesen Maßnahmen zementieren. Für David-Wilps gibt es dagegen nur den häufig geforderten Lösungweg, die Anzahl der Betreuungsplätze auszubauen und Frauen nicht dafür zu bezahlen, dem Arbeitsmarkt fern zu bleiben. Eine hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen stehe direkt mit einer hohen Geburtenrate in Verbindung, sagt David-Wilps. Deshalb gebe es mit dem zunehmendem Abbau von Barrieren für erwerbstätige Mütter auch wieder mehr Kinder „made in Germany.“