Neues Webportal für klischeefreie Berufswahl

Die Studien- und Berufswahl stellt eine frühe Weichenstellung dar. So überrascht es nicht, dass ausnahmsweise drei Bundesministerien an einem Projekt beteiligt sind, das einen Beitrag zur (eigenen) vorurteilsfreien Berufswahl leisten will. Das Web-Portal klischee-frei.de ist kürzlich online gegangen. Derweil bleibt die Kritik, dass solch übergreifende Maßnahmen selten sind.

Das Portal www.klischee-frei.de informiert und unterstützt bei der Studien- und Berufswahl ohne einschränkende Vorurteile. Dazu stehen allein die eigenen Interessen und Fähigkeiten im Mittelpunkt. Die neue Website bündelt Materialien und praktische Hinweise für Bildungseinrichtungen, Arbeitgeber und auch Eltern, um eine klischeefreie Berufs- und Studienorientierung zu fördern. Die vielschichtige Zielgruppe erweist sich dabei als Herausforderung.

Neben Neuigkeiten aus dem Themenbereich der geschlechtergerechten Berufs- und Studienwahl bietet die Internetplattform bewährte Praxisbeispiele, Arbeitsmaterialien für verschiedene Akteure sowie anschauliche Faktenblätter zu den Themen „Ausbildung“, „Studium“ sowie „Partnerschaft und Familie“. Entsprechend der Projektpartner und der bisherigen Maßnahmenschwerpunkte ist hierbei der Girls‘- und Boys‘ Day stark repräsentiert – darüber hinaus zeigt sich das Portal noch etwas sparsam. Eine Gelegenheit, ihre eigenen erfolgreichen Instrumente dort als Beispiele einzureichen. Dies erscheint wichtig, um die Bedürfnisse des breiten Publikums zu decken, an das sich die Seite nach eigenen Aussagen wendet. Akteure aus Bildung und Berufsberatung, Unternehmen oder Eltern benötigen teilweise unterschiedliche Instrumente, um in ihrem jeweiligen Rahmen einen Beitrag zur klischee-freien Studien- und Berufswahl leisten zu können.

Das unter dem Dach des Bundesinstituts für Berufsbildung in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit entwickelte Web-Portal www.klischee-frei.de bildet die Kommunikationsplattform der Initiative „Nationale Kooperationen zur geschlechtergerechten Berufs- und Studienwahl“, die von den drei Bundesministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, für Bildung und Forschung sowie für Arbeit und Soziales initiiert wurde.

Nicht an diesem neuen Portal, sondern an der übergeordneten Gleichstellungs- und Antidiskriminierungspolitik der Bundesregierung hatte indes nur wenige Tage zuvor der Deutsche Frauenrat als Teil der CEDAW-Allianz Kritik geübt. Deren Alternativbericht setzt sich kritisch mit den Themen Bildung und Rollenstereotype, Erwerbsleben, Teilhabe und Gender Budgeting, Gewalt gegen Frauen, Gesundheit und Internationales auseinander. Die zentrale Kritik lautet: Die Bundesregierung habe im Berichtszeitraum keine konsistente zielorientierte Gleichstellungspolitik verfolgt; die gesetzlichen Grundlagen seien in ihrer Reichweite begrenzt und böten keinen umfassenden Schutz vor Diskriminierung.

Susanne Kahl-Passoth, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrats vermisst vor allem „entschlossenes politisches Handeln und Akteur*innen, die die notwendigen Prozesse befördern und kritisch begleiten“. Die CEDAW-Allianz hat vor allem im Kontext der „rassistischen, frauen- und genderfeindlichen Agenda“ von Rechtspopulisten aus ihrer Sicht erforderliche Maßnahmen aufgezeigt.

Auf Initiative des Deutschen Frauenrats hatten sich im November 2015 zivilgesellschaftliche Organisationen zur CEDAW-Allianz zusammengeschlossen. Ihre 38 Mitglieder eint ihr frauen- und gleichstellungspolitisches sowie ihr menschenrechtliches Engagement. Das gemeinsame Ziel ist die Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur „Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau“ (CEDAW) in Deutschland. In einem intensiven Diskussionsprozess hat die Allianz dem CEDAW-Ausschuss ihre politische Sicht der Situation in Deutschland dargelegt und ihre Forderungen formuliert. Mit dem umfangreichen Bericht fordert sie die Bundesregierung zu einer konsequenten Umsetzung des UN-Übereinkommens auf.