Mehr Mut zur Weiblichkeit in Führungspositionen

In dem Maße, in dem Frauen zunehmend in den Führungsetagen Einzug halten, hält sich auch ein Gerücht hartnäckig: Um erfolgreich in männerdominierten Unternehmen zu sein, müssen Frauen männliche Verhaltensstrategien adaptieren. Hält diese Wahrnehmung einer Betrachtung der Arbeitswirklichkeit 2012 tatsächlich stand?
Im Rahmen eines Buchprojekts „Wie viel Weiblichkeit verträgt die Wirtschaft?“ untersuchte Sonja Seirlehner die Strategie der weiblichen Vermännlichung. Dafür nahmen im Frühjahr 2012 173 ProbandInnen an einer Internetbefragung teil, von denen etwas mehr als die Hälfte Frauen waren Der Fokus lag auf dem Stellenwert der Weiblichkeit in der Wirtschaft und inwiefern durch Frauen eher „weibliche“ oder eher „männliche“ Verhaltensweisen in die Führung einfließen.
Tendenziell beurteilten die ProbandInnen die Aufstiegschancen von Frauen, die sich maskulin kleiden und verhalten höher ein, als von Frauen, die sich  feminin geben. Was den Führungsstil betrifft, wird mächtigen Frauen von mehr als der Hälfte der ProbandInnen ein eher härteres Vorgehen als Männern in vergleichbaren Positionen unterstellt. Dennoch würden fast 40 Prozent einer weiblichen Führungskraft den Vorzug geben, während sich ein Viertel in dieser Frage unschlüssig zeigte. Insgesamt sind beinahe zwei Drittel der Befragten für eine Förderung für Frauen in Führungspositionen, weil sie sie dort zu wenig vertreten sehen. Immerhin gut die Hälfte gaben an zu wissen, was unter Gender-Mainstreaming zu verstehen ist.
Die TeilnehmerInnen waren allerdings zu drei Vierteln UnternehmerInnen, Führungskräfte oder freiberuflich tätig und nur 15 Prozent befanden sich in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis. Somit wird deutlich, dass die ProbandInnen an sich selbst den Anspruch eines eher männlichen Führungsstils gestellt sehen, um ihre Führungsposition ausüben zu können oder um in eine Führungsposition zu gelangen. Als stereotypische Eigenschaften weiblicher Führung liegen auf den Plätzen eins bis drei Intuition, Zuverlässigkeit und Disziplin mit jeweils über 50 Prozent im Gegensatz zu eher männlichen Ansätzen wie Widerstandskraft oder Aggressivität, die jeweils nur knapp die 5 Prozentmarke erreichen konnten. Immerhin wird den weiblichen Führungskräften von einem Drittel der ProbandInnen Mut zugeschrieben.
Die Studie zeigt zusammenfassend, dass es Weiblichkeit in Chefetagen nach wie vor schwer hat. Dies könnte sich jedoch in den nächsten Jahren ändern, wenn der Frauenanteil im Management weiter steigt. Die Basis dafür ist offensichtlich vorhanden. Fünf Dax-Unternehmen weisen bereits mehr Frauen als Männer in ihren Belegschaften aus.