kununu auf dem dünnen Eis der Rankings zu Familienfreundlichkeit

Die Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu hat mit verschiedenen Partnern in Österreich und Deutschland familienfreundliche Arbeitgeber ermittelt. Eine Rangliste basiert auf abgegebenen Bewertungen, die andere auf einer Befragung von über 10.000 ArbeitnehmerInnen.

Während andere Umfragen Ängste und Sicherheitsbestreben als neue Einflüsse für Karriereentscheidungen benennen, fokussieren aktuelle Rankings von kununu auf traditionelle Familienfreundlichkeit. Das Augenmerk legen die Studien auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Arbeiten in Teilzeit oder im Home Office und Gleichbehandlungsaspekte wie Lohngleichheit.

Ranking auf Basis abgegebener Bewertungen

Das Arbeitgeber-Bewertungsportal suchte sich für seine Studien Frauenmagazine in Deutschland und Österreich als Partner aus. So legte man 2016 gemeinsam mit Freundin für das deutsche Ranking folgende Kriterien fest

  • Einen Mindestscore von 3 in den Bereichen Vorgesetztenverhalten, Arbeitsatmosphäre, Work-Life-Balance, Gleichberechtigung, Karriere/Weiterbildung sowie Gehalt/Sozialleistungen
  • Mindestens 78 Bewertungen auf kununu, davon mindestens eine neuere

Das Ranking wurde ausschließlich auf Basis der abgegebenen Bewertungen erstellt. Durchaus üblich ist, dass die beteiligten Unternehmen, hier insbesondere die Burda-Mediengruppe, sich selbst vom Ranking ausschließt. Weshalb zudem alle anderen Medienunternehmen ausgeschlossen wurden, ist dagegen fraglich.

Neue Vorgehensweise: 2017 Ranking für Österreich mittels Befragung

Für das neuste Ranking wurden zunächst „relevante Arbeitgeber in Österreich mittels einer umfangreichen Desk Research“ identifiziert. Basis der Ergebnisse ist die Bewertung dieser Arbeitgeber durch 11.500 ArbeitnehmerInnen in Österreich, die mittels Online Access Panel, einer Onsite-Befragung auf der WOMAN Homepage sowie über eine von kununu durchgeführte Online-Befragung von kununu- und XING-Mitgliedern zu ihrer Meinung befragt wurden. Die Befragung deckte folgende Themenfelder ab, wobei die Weiterempfehlungen zusammen 65% der Gesamtbewertung ausmachen (!).

  • Gestaltung der Arbeitszeit
  • Entlohnung und Karriere
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Weiterempfehlung des eigenen Arbeitgebers bzgl. Familienfreundlichkeit
  • Weiterempfehlung anderer Arbeitgeber in der Branche des eigenen Arbeitgebers

Branche als (verständlicher) Einflussfaktor

Das Gesamtergebnis fördert Branchenunterschiede zu Tage: So haben es neun Unternehmen aus „Bildung und Forschung“ unter die Top 50 geschafft. Die Pressemitteilung liefert hierzu eine Erklärung: In dieser Branche gibt es häufig flexible Arbeitszeiten. In der „Herstellung und Verarbeitung von Werk- und Baustoffen“, wo Schichtbetrieb gang und gäbe sei, landete dagegen nur ein Unternehmen in den Top 50.

Rankings, die Fragezeichen hinterlassen

Derweil jubelt der Medienpartner Women, „Kind und Karriere lässt sich ja doch vereinbaren!“ und freut sich über ein immer häufigeres familienfreundliches Klima. Klima? Dieser tatsächlich besonders wichtige Aspekt wurde durch keine der Analysen abgedeckt.

Johannes Prüller, Pressesprecher von kununu, erklärt auf Basis seiner Daten, „dass Flexibilität für Arbeitnehmer ein immer zentraleres Kriterium bei der Wahl des passenden Arbeitgebers ist“. Aufgrund der Datenfülle, die kununu generiert, gibt es wahrscheinlich Indikatoren hierfür. Die beiden Rankings lassen die Aussage jedoch nicht erkennbar zu, denn sie ermöglichen weder einen Zeitvergleich noch einen Vergleich mit anderen Attraktivitätsfaktoren.

Dass beide Rankings davon sprechen, erstmals im jeweiligen Land ein Ranking der Familienfreundlichkeit erstellt zu haben, verwundert ebenfalls. Auch, dass von Auszeichnungen oder Siegel gesprochen wird, ist fragwürdig, denn in keinem Fall konnten Unternehmen vorgeschlagen werden oder selbst in den Wettbewerb eintreten und eine aktive Überprüfung von Kriterien, wie es für ein Siegel angemessen erscheint, fand nicht statt.