Kleiner Unterschied bewirkt großen Erfolg

DIVERSITY. Frauen sind so gut ausgebildet wie nie zuvor. Dennoch sind sie in qualifizierter Beschäftigung unterrepräsentiert. Gleichzeitig tun sich viele Männer mit der Doppelrolle des durchsetzungsstarken Kollegen und fürsorglichen Vaters schwer. Der Managementansatz „Diversity“ nimmt beides in den Blick. Mädchen erreichen höhere und bessere Schulabschlüsse als Jungen, und auch im Studium erzielen Frauen durchschnittlich bessere Abschlussnoten. Ihr Anteil unter den Hochschulabsolventen liegt mittlerweile bei ungefähr 50 Prozent. Trotz besserer Qualifikation sind Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert: Während in Kleinbetrieben mit zehn bis 49 Beschäftigten ein Fünftel der obersten Leitungspositionen mit Frauen besetzt ist, sinkt ihr Anteil in den Großbetrieben auf unter fünf Prozent. Auch bei den Löhnen zeigt sich eine Diskrepanz: Ganz gleich, welche Studie zu Erwerbseinkommen herangezogen wird, alle zeigen, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt mindestens 20 Prozent weniger verdienen als Männer – in vergleichbaren Jobs. Offensichtlich übersehen viele Unternehmen die Potenziale, die Frauen bieten. Gerade mit Blick auf den immer deutlicher werdenden Fachkräftemangel gewinnt die Berücksichtigung weiblicher Talente an Bedeutung. Unserer Diversity Praxis Studie (DPS) zufolge stellt die wachsende Bedeutung von Frauen am Arbeitsmarkt den wichtigsten demographischen Trend für Unternehmen dar. Die Befragten halten zudem eine Abkehr von traditionellen Geschlechterrollen und die Zunahme alternativer Lebensstile für bedeutende Trends, die zu einer Änderung der betrieblichen Praxis zwingen. Auch für den Erfolg am – überwiegend weiblichen – Markt ist mehr Augenmerk auf die Geschlechterthematik erforderlich. Dass die Einbindung von Frauen zu wirtschaftlichen Vorteilen führt, zeigt zudem eine Studie der US-Beratungsgesellschaft Catalyst: Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Top-Management weisen eine höhere Marktkapitalisierung auf als Unternehmen mit weniger Frauen in Spitzenpositionen. Doch wie lässt sich der geringe Anteil von Frauen im Management – trotz ihrer Qualifikation – erklären? Wer oder was hindert sie am beruflichen Aufstieg? Fehlende Kinderbetreuung greift als Erklärung zu kurz. Tatsächlich stellen Geschlechterstereotype häufig die größte Barriere für den Aufstieg von Frauen dar. 66 Prozent der Frauen geben an, dass verzerrende Vorstellungen und Vorurteile über Fähigkeiten und Rollen eine wesentliche Hürde darstellen. Weiter zeigt die Studie von Conference Board und Catalyst, die 500 Frauen in Führungspositionen befragte, dass fehlende betriebliche Unterstützung (61 Prozent) und die überproportionale Einbindung von Frauen in die Familienarbeit (62 Prozent) die berufliche Entwicklung hindern.

Der Text ist fasst den Artikel “Kleiner Unterschied bewirkt großen Erfolg” zusammen, erschienen in Personalmagazin 6/2006.