GEFÄHRLICHE SCHEUKLAPPEN

Studie: Wirtschaft berücksichtigt Trends kaum

Auch nach dem Ende der Wirtschaftskrise reagieren Unternehmen kaum auf gravierende Veränderungen ihres Geschäftsumfeldes zum Beispiel durch den demographischen Wandel, die Internationalisierung oder den Wertewandel. Dies zeigt eine aktuelle Befragung der Forschungs- undBeratungsfirma Ungleich Besser zur Wahrnehmung gesellschaftlicher Trends und Implementierung entsprechender Maßnahmen. „Mit Sorge beobachten wir eine anhaltende Fokussierung auf das sogenannte Kerngeschäft“, fasst Studienleiter Michael Stuber zusammen. Die Unternehmen fühlten sich weiterhin zu beschäftigt mit operativen und Restrukturierungstätigkeiten, um sich mit fundamentalen Trends auseinanderzusetzen. Zwar erkennen die befragten Unternehmen die Notwendigkeit wesentlicher Veränderungen wie mehr Chancengleichheit für Frauen oder MigrantInnen sowie mehr Work-Life-Balance angesichts des demographischen Wandels. Die konkrete Umsetzung entsprechender Programme bleibt jedoch weiterhin auf Sparflamme. Die aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass die Unternehmen weiterhin eine

„lebenserhaltende Strategie“ verfolgen, obwohl die Auftragsbücher wieder deutlich voller sind. Die

ForscherInnen sehen hierin eine Fortsetzung der panischen Reaktionen während der Krise. Letztes Jahr

wurden zahlreiche strategische Projekte minimiert oder auf Eis gelegt.

Perspektivisch widmen sich die Unternehmen den Herausforderungen, die sich aus gesellschaftlichen Trends

ergeben, vor allem durch die Implementierung von stark fokussierten Insellösungen, innerhalb derer vor

allem naheliegende Maßnahmen umgesetzt werden. Familientage dienen beispielsweise der Förderung eines

familienfreundlichen Personalmanagements und lebenslanges Lernen soll den demografischen Wandel

bezwingen. Umfassende Konzepte, die Diversity mehrwertorientiert umsetzen, zeichnen sich dagegen bislang

nicht ab. „Unternehmen riskieren durch ihr Verhalten begrenzte Erfolge durch die allzu starke Fokussierung

auf wenige Themen und Maßnahmen“, warnt Experte Stuber und geht noch einen Schritt weiter „zudem

drohen Opportunitätskosten, denn die fundamentalen Veränderungen der Gesellschaften, Märkte und

Belegschaften sind nicht aufzuhalten, wie der demografische Wandel bereits zeigt“. Die Lücke zwischen den

von der Wirtschaft proklamierten Werten und Prioritäten und den konkreten Aktivitäten sei indes größer als

vor der Wirtschaftskrise. Die Analyse der wahrgenommenen Bedeutung verschiedener Themen zeigt, dass viele Unternehmen von der ganzheitlichen Umsetzung des Potenzial-Prinzips noch weit entfernt sind.

Über die Studie: Mittels einer Telefonbefragung untersuchte ‚Ungleich Besser Diversity Consulting’ die

Wahrnehmung gesellschaftlicher Trends bei führenden deutschsprachigen Unternehmen sowie entsprechende

Umsetzungsmaßnahmen. Von 120 eingeladenen nahmen 32, meist international tätige Unternehmen im

Zeitraum 1. Februar bis 31. März 2010 an der Studie teil.