Frauen können mehr als MINT

Weil Frauen eine größere Bandbreite von Talenten und somit mehr Wahlmöglichkeiten haben, entscheiden sie sich seltener für eine MINT Karriere. Dies ist das Resultat einer Studie der entsprechenden Forschergruppe der Universitäten Pittsburg und Michigan. „Das Ergebnis bricht mit gängigen Stereotypen, obwohl es auf den ersten Blick manche Klischees zu bestätigen scheint,“ kommentiert Diversity-Experte Michael Stuber die Erkenntnisse.
Obwohl der Frauenanteil in den MINT Studiengängen in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist, entscheiden sich weniger Absolventinnen für eine Karriere in diesem Bereich als ihre männlichen Kommilitonen. Forscher sind sich indes einig, dass die Unterrepräsentanz von Frauen nicht an geschlechtsbedingten Unterschieden in mathematischen Fähigkeiten liegt. Auf der Suche nach Klärung stellte sich die Forschergruppe um Ming-Te Wang die Frage, ob Unterschiede im Kompetenzmix aus mathematischen und verbalen Fähigkeiten eine Rolle spielen. Für die Untersuchung wurden Daten aus einer nationalen Längsschnittstudie unter 1.490 College-StudentInnen herangezogen. Diese wurden in der 12. Klasse und im Alter von 33 Jahren zu verschiedenen Faktoren befragt und getestet – neben Fähigkeiten in Mathematik und Sprachverständnis wurden auch Aspekte ihrer Motivation und Überzeugungen sowie ihre Berufe im Alter von 33 abgefragt. Die Ergebnisse zeigen, dass diejenigen Studierenden mit hohen mathematischen Fähigkeiten und ebenso hohen sprachlichen Fähigkeiten – dieser Gruppe gehörten deutlich mehr Frauen als Männer an – seltener eine Karriere in MINT Bereichen wählten als jene mit moderaten sprachlichen Fähigkeiten.
Seit Jahren wird in Maßnahmen und Förderprogramme investiert, um Frauen für eine Karriere in MINT Berufen zu begeistern. Die Analyse deutet darauf hin, dass die Unterschiede in der Berufswahl von Frauen und Männern zumindest teilweise in der Kombination ihrer Fähigkeiten liegt. Laut Wang belegt die Studie, dass nicht ein Mangel an Fähigkeiten bei Frauen oder Unterschiede in den Fähigkeiten von Frauen und Männern Grund für die weibliche Abkehr von einer MINT Karriere ist. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass eine mathematisch talentierte Frau ebenso sprachlich begabt ist. Aus diesem Grund können sie aus einer größeren Palette an Berufen wählen – und tun dies auch.
Hochschulen und Unternehmen sollten vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse die MINT Bereiche dahin gehend gestalten, dass das Potenzial der Frauen in beiden Kompetenzbereichen angesprochen wird. Zusätzlich bleibt das latente Image-Problem von MINT-Fächern und –Berufen aus Sicht derer, die vielfältige Talente mitbringen.