Europa: Politische Debatte zum demografischen Wandel

Die Europäische Kommission veröffentlichte im vergangenen Monat alarmierende Daten. Dem vorgelegtem Grünbuch „Demografischer Wandel“ zufolge steht die Europäische Union vor einem „beispiellosen demografischen Wandel, der sich massiv auf die gesamte Gesellschaft auswirken wird“. Die Zahlen zeigen, dass der EU bis 2030 20,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter (6,8 %) fehlen werden. Grob gesagt werden im Jahr 2030 zwei Erwerbstätige (zwischen 15 und 65 Jahren) für einen Nichterwerbstätigen (von über 65 Jahren) aufkommen müssen. In der Union leben dann 18 Millionen Kinder und Jugendliche weniger als heute. Eine steigende Lebenserwartung, sinkende Geburtenzahlen und eine Alterung der Bevölkerung und Beschäftigten markieren diesen demografischen Wandel.
Der für Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit zuständige Kommissar, Spidla, legte daraufhin das Diskussionspapier „Angesichts des demografischen Wandels – eine neue Solidarität zwischen den Generationen“ vor. Es soll eine politische Debatte darüber ausgelöst werden, wie den Herausforderungen begegnet werden kann und welche Rolle die Europäische Union dabei einnehmen sollte. Um den Rückgang der Geburtenrate aufzuhalten empfiehlt Spidla familienpolitische Anreize wie Zulagen, Elternurlaub und Kinderbetreuungsangebote zu erhöhen. Zudem könne es sich kein Land leisten, Mütter am Arbeitsmarkt nicht angemessen zu beteiligen. Längere Lebensarbeitszeiten wären nach Spindla ebenfalls notwendig, um den drohenden Mangel an Beschäftigten auszugleichen. Auch eine Erweiterung der Zuwanderung müsse diskutiert werden.