Die Quote verhindert die Nutzung von Vielfalt: „Ohne Akzeptanz keine Performanz“

Viele Jahre wurde diskutiert, nun ist die Entscheidung ist gefallen: Die Frauenquote kommt. Sofern sich auf dem Weg zum fertigen Gesetz nichts mehr ändern sollte, müssen in Zukunft 30% der Aufsichtsratsposten in rund 100 börsennotierten Unternehmen mit Frauen besetzt sein. In einem Interview für die Dezemberausgabe des F.A.Z.-PersonalJOURNAL zeigt Diversity-Experte Michael Stuber die negativen Seiten der Quote und gibt alternative Empfehlungen zur Verbesserung der Situation für Frauen im Management. Möchte man mit den positiven Aspekten beginnen, lässt sich feststellen, dass die Diskussion über die Quote vielerorts einen Stein ins Rollen gebracht hat: „Frauenförderung“ erfährt heute in vielen Unternehmensvorständen deutlich größere Aufmerksamkeit als bisher. Doch bereits am Begriff „Frauenförderung“ kann man ablesen, dass der Ansatz grundsätzlich in eine falsche Richtung weist; so sind es nicht etwa die Frauen, sondern die sprichwörtlich herrschenden Männer und die von ihnen geschaffenen Unternehmenskulturen und -systeme, die Förderung in Sachen Vielfalt benötigen. „Statt Frauen in Seminaren verändern und weibliche Konkurrenz-Netzwerke aufbauen zu wollen, muss gemeinsam mit den faktisch entscheidenden Männern an der zukunftsfesten Öffnung und Flexibilisierung von Organisationen und ihren Kulturen gearbeitet werden“, betont Stuber. Schließlich seien Frauen bereits bestens qualifiziert und würden beleidigt, wenn sie als Quotenfrauen in hohe Positionen kommen (und sei es auch nur, dass sie als solche wahrgenommen werden). Statt Symptombekämpfung zu betreiben empfiehlt es sich eher, die Ursachen des Missstandes anzugehen.

Die Bezeichnung „Quotenfrau“ zeigt ein weiteres Problem: Studien zeigen, dass Vielfalt nur in Verbindung mit Wertschätzung und Einbeziehung zu Verbesserungen führt. Quoten führen dagegen zu verbreitet negativen Haltungen (besonders bei Männern) und verhindern damit den Wertschöpfungsprozess von Geschlechtervielfalt oder wie Stuber es formuliert: „Ohne Akzeptanz keine Performanz“. Das besonders Schlimme daran: Die Quote betrifft zunächst nur Aufsichtsräte, schadet aber allen Frauen im Management.

Ein Hauptargument für die Quote hat sich indes als unhaltbar herausgestellt: Die Politik hat stets behauptet, die Fortschritte in der Privatwirtschaft seine „unterirdisch“ und die Quote brächte eine entsprechende Beschleunigung. Eine Analyse der Erhöhung der Frauenanteile in Bundesbehörden, die dem stark regulativen Bundesgleichstellungsgesetz unterliegen zeigt, dass dort eine geringere relative Erhöhung erreicht wurde als durch freiwillige Initiativen in der Privatwirtschaft. Über die verschiedenen Ministerien hinweg schwankt das Niveau wie auch über die Branchen der DAX Konzerne hinweg, wobei sich die Bundesbehörden im Gesamtschnitt auf einem höheren Niveau bewegen.

Dass die Quote kaum als dringlich angesehen werden kann zeigen die Zahlen: Im Jahre 2013 stieg der Frauenanteil in den DAX-30-Kontrollorganen um 2,5% auf insgesamt 21,9%, weshalb der Beschleunigungseffekt der Quote begrenzt ausfallen dürfte. In Anbetracht entsprechender Erfahrungen anderer Länder muss zudem angezweifelt werden, ob sich von den Aufsichtsräten direkte Impulse auf die Führungsebenen der Unternehmen ableiten werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen zudem, dass eine Erhöhung der Geschlechtervielfalt nur über einen längeren Zeitraum zu Mehrwerten führt, kurzfristig sind keine Verbesserungen messbar.

Zusammenfassend zeig sich, dass für die Erhöhung der Frauenanteile in Führungspositionen gesetzliche Regelungen nicht besser oder schneller wirken als strukturelle und Personalentwicklungsmaßnahmen. Dafür bringen Quoten heftige Nachteile und damit neue Hindernisse mit sich. Die rigorose Analyse und Adressierung bereits vorhandener Aufstiegsbarrieren im Rahmen ganzheitlicher Organisationsentwicklungsansätze ist nötig, sinnvoll und möglich. Konkret empfiehlt Stuber eine „sorgsam vernetzte Programmarchitektur mit strukturellen, handlungsleitenden und kulturverändernden Elementen, die Geschlechterstereotypen entgegenwirken“. Mit der Quote kommt ein neues Handlungsfeld hinzu: Die negativen Wahrnehmungen diesbezüglich zu korrigieren.

Das Interview mit Michael Stuber können Sie in der Dezemberausgabe des F.A.Z.-PersonalJOURNAL nachlesen.