Chemische Industrie: Frauenmangel in Führungspositionen

Auch in der chemischen Industrie mangelt es an Frauen in Führungspositionen. Nach einer aktuellen Strukturerhebung des Bundesarbeitgeberverbands Chemie sind 20 Prozent der Führungskräfte und 8 Prozent der leitenden Angestellten Frauen. Der Arbeitskreis Chancen-gleichheit in der Chemie (AKCC) der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Arbeitgeberverband Chemie suchen daher neue Wege für Führungskräfte, Karriere und Familie zu verbinden. „Angesichts des demografischen Wandels wird es wirtschaftliche Notwendigkeit, das Potenzial an Akademikerinnen zu nutzen und Lösungen für eine Verbindung von Führungsposition und Familienleben zu finden“, unterstreicht Dr. Axel Schack, Hauptgeschäftsführer der HessenChemie.

Mit Teilzeitmodellen, Kinderbetreuungsangeboten, Telearbeit und Jobsharing versucht die chemische Industrie bereits jetzt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöhen. Sie werden jedoch abhängig von Unternehmenskultur und -größe mit unterschiedlicher Intensität verfolgt und zudem von Führungskräften oft nicht in Anspruch genommen. Nach Einschätzung der Verbände, liegen die Hürden für Akademikerinnen und Akademiker, die Karriere und Familienpflichten in Einklang bringen wollen, oft im mittleren Management. Familienfreundliche Personalpolitik erfordere ein Umdenken der Vorgesetzten. Ziel sei ein moderner Führungsstil, der sich mehr an der Leistung und weniger an der Anwesenheit der MitarbeiterInnen orientiert. Um die genannten Ziele umzusetzen, planen die Verbände der chemischen Industrie eine gemeinsame Tagung zum Thema „Führungskräfte und Familie“ sowie Veranstaltungen für junge Führungskräfte der Branche.

Der Kölner Diversity-Berater Michael Stuber begrüßt die Initiative, zeigt sich jedoch gleichzeitig überrascht. „Es ist wenig hilfreich, Frauen stereotypisch mit Kinderbetreuung in Verbindung zu bringen“, kritisiert der Vielfalts-Praktiker. Einerseits wollten nicht alle Frauen Kinder, andererseits kämen auch kinderlose Frauen nicht in Führungspositionen. Insofern müsse vielmehr die männerbündische und mitunter sexistische Unternehmenskultur auf den Prüfstand. Würden sich Väter beispielsweise gleichermaßen familiär engagieren, würde sich die Berufswelt und das Privatleben verbessern.