Autodidaktisch zum Diversity Promotor

Das RKW Kompetenzzentrum, der Verband binationaler Familien und Partnerschaften und International HuMan Power haben gemeinsam eine Argumentationshilfe zum Umgang mit diskriminierenden Vorurteilen gegenüber Zugewanderten im Betrieb veröffentlicht.

Auch wenn Personalverantwortliche in Betrieben den scheinbaren Vorteil haben, keine gesamtgesellschaftlichen Debatten führen zu müssen, so müssen sie sich doch mit entsprechenden Dynamiken auseinandersetzen. Gerade der Fokus auf betriebliche Belange erfordert es mitunter, aktiv zu werden. Dabei stellen sich zwei Fragen:

  • Wie kann ich auf ausgrenzende Parolen im Betrieb reagieren?
  • Wie fördere ich ein Klima der Offenheit und Akzeptanz?

Als praktische Hilfestellung für diesen Bereich haben drei Kooperationspartner (RKW Kompetenzzentrum, Verband binationaler Familien und Partnerschaften, International HuMan Power) das Workbook „Vorurteile im Betrieb. Weniger Sprachlosigkeit, mehr Argumente für ein gutes Betriebsklima“ erarbeitet.

LeserInnen können sich mit dem 36-seitigen Dokument und dem darin enthaltenen Hintergrundwissen Know-how für eine Gesprächsführung aneignen, die auf ein gutes Betriebsklima und solidarisches Miteinander abzielt.

Realistische Situationen als Beispiele

Ein großer Teil des Leitfadens besteht aus Beispielsituationen, für die sinnvolle und konstruktive Reaktionsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Viele der behandelten Statements aus den Abschnitten des Leitfadens mögen allzu vertraut klingen:

„Die Belegschaft macht sich Sorgen“

  • „Wir sind ein deutscher Betrieb. Wie sollen wir mit den Ausländern unsere Tradition wahren?“
  • „Anderen werden die Arbeitsplätze weggenommen.“
  • „Ich bin gegen die Einstellung von Migranten. Die Kunden werden das nicht akzeptieren.“

„Die Belegschaft kritisiert Unterstützungsangebote und Hilfsbereitschaft“

  • „Warum bekommen die so viel Unterstützung? Ich habe das alles nicht bekommen.“

„Die Belegschaft meldet Probleme bei der Zusammenarbeit“

  • „Ich habe so viel zu tun – wie soll ich zusätzlich langsam sprechen und alles doppelt erklären?“
  • „Der / die müsste nun aber mal arbeiten, so wie wir auch.“

„Die Belegschaft attestiert mangelnde Anpassungsbereitschaft“

  • „Der will gar kein Deutsch lernen!“
  • „Ich bin eine Frau. Der wird keinen Respekt vor mir haben – gibt mir nicht mal die Hand.“
  • „Warum sollen wir denn was ändern? Geh mal nach Saudi-Arabien!“

Für jede Situation wird beispielhaft angegeben, wie zunächst Verständnis und Gesprächsbereitschaft gezeigt werden kann (Abholen), dann die Frage vertieft werden kann und schließlich gemeinsame Lösungen oder Ziele gefunden werden können. An vielen Stellen werden verschiedene Möglichkeiten erwähnt, so dass die Methodik plastisch illustriert wird. Dabei ist verständlich, dass nicht alle Vorschläge gleich passend oder geeignet erscheinen („Die Tradition wird nicht von Zuwanderern geändert“ ist schwerlich als Perspektivwechsel tauglich). Auch die vier Beispiele für betriebliche Integrationsansätze spiegeln nicht die große Bandbreite der bewährten Praxis wider. Dies schmälert in keiner Weise den hohen Praxisnutzen, den der handliche Leitfaden bietet.

Das Workbook kann als PDF oder kostenlos und portofrei (als Printversion) unter http://www.rkw.link/argumentationshilfe bezogen werden.